Erster Trainingsflug

Es ist ein Dilemma für Simulator-Piloten: Das Gefühl für den Hubschrauber, das auch Grundlage für den Schwebeflug ist, entwickelt man am besten beim Flug. Ohne Schwegeflug kann am aber gar nicht starten. Wir mogeln uns deshalb erst mal in die Luft!

Im echten Leben ist das ganz simpel: Der Fluglehrer bringt den Schüler in die Luft und übergibt dann das Steuer, in der Regel zunächst sogar nur den Stick. Wir müssen uns da leider anders durchwursteln.Mit dem, was wir in den Vorübungen gelernt haben, sollten wir aber in der Lage sein, den Hubschrauber irgendwie - wenn vielleicht auch nicht schön - in die Luft zu bekommen. Neutralstellung erfühlen, schnell noch mehr Leistung zuführen, Stick zart nach vorne drücken um Fahrt aufzunehmen. Fertig!

Nicht ganz. Denn vermutlich wackelt Hubschrauber jetzt wie ein Kuhschwanz. Wir versuchen deshlab mit ganz kleinen Steuerbewegungen erst mal einen halbwegs ruhigen Flug zu erreichen. Das ist schon ein Stück der Übung. Einfach immer wieder probieren.

Bei passender Leistung brauchen wir nur noch den Stick

Wenn wir eine ausreichende Höhe erreicht haben, um nicht gleich wieder in den Boden zu krachen, schauen wir mal kurz auf die Instrumente: Wir regulieren den Collective so, dass dieTorque-Nadel bei ca.43 % steht. Damit können wir bei in etwa konstanter Flughöhe eine gute Geschwindigkeit von 60 bis 80 Knoten erreichen. Und das machen wir dann alleine mit dem Stick!

Blick aus dem Cockpit beim Übungsflug

Vorher bitte noch kurz einen Blick auf die Kugellibelle werfen. Wenn sie nicht in der Mitte des Röhrchens steht, fliegen wir schräg. Der Drehmomentausgleich stimmt nicht. Steht die Kugel links von der Mitte, treten wir ein bisschen ins linke Pedal, steht sie rechts von der Mitte treten wir ins rechte Pedal, um auszugleichen. Einigermaßen sollte es passen. Perfektion brauchen wir jetzt noch nicht. Denn eigentlich wollen wir ja mit dem Stick spielen.

Immer der Nase nach

Wir suchen uns einen Fixpunkt vor uns aus, auf den wir zufliegen wollen: Ein Berg, ein entferntes Waldgebiet, ein Dorf oder was auch immer. Wir versuchen, geradeaus dorthin zu fliegen. Dafür müssen wir immer wieder am Stick korrigieren, weil der Hubschrauber ausbrechen will oder einfach wackelt. Da das Heck der Maschine durch den Fahrtwind stabilisiert wird, sind die Korrekturen aber deutlich einfacher als z.B. beim Schweben.

Es reichen schon minimale Bewegungen aus, um den Hubschrauber in die gewünschte Richtung zu steuern. Eher aus den Fingerspitzen als aus dem Handgelenk. Tückisch dabei: Die Maschine reagiert zwar sehr präzise schon auf minimale Eingaben am Stick, alles passiert aber mit einer Zeitverzögerung. Man glaubt, da passiert ja nichts, rüttelt noch ein bisschen mehr am Steuerorgan - und hat damit schon übersteuert.

Mit dem Stick gehts gleich in mehrere Richtungen

Nun geht der Stick aber nicht nur nach rechts und links, sondern auch nach vorne und hinten. Sicher ist euch schon aufgefallen, dass ihr den Stick ziemlich weit nach vorne gedrückt halten müsst, damit die Nase des Hubschraubers nicht in die Höhe geht. Auch damit können wir spielen. Nehmen wir den Stick ein kleines Stück nach hinten, beginnt der Hubschrauber zu steigen und verliert gleichzeitig an Fahrt. Drücken wir den Stick ein Stück weiter vor, sinken wir und nehmen zusätzliche Fahrt auf.

Unser Ziel bei dieser Übung: gerade aus fliegen, dabei den Hubschrauber möglichst ruhig halten und eine konstante Höhe halten. Bei gegebener Leistungseinstellung (den Collective haben wir ja in Ruhe gelassen) sollte sich die Geschwindigkeit etwa im gewünschten Bereich zwischen 60 und 80 Knoten einpendeln.

Viel wichtiger als die Instrumente ist aber der Blick aus dem Fenster. Ob wir gerade in der Luft liegen oder eine Kurve fliegen, erkennen wir durch Vergleich der Cockpitkonturen mit dem Horizont. Die Instumentenkonsole ist dabei eine gute Orientierung. Sie hilft uns auch, den Hubschrauber auf Höhe zu halten. Wenn wir den Abstand zwischen der Oberkante des Instrumentenbretts und dem Horizont konstant halten, behalten wir Höhe und Geschwindigkeit bei. Beginnen wir ungewollt zu steigen, haben wir schlicht nicht genug Druck auf dem Stick. Nachdrücken, um die Nase wieder zu senken und schon pendelt sich alles wieder ein. Umgekehrt natürlich wenn wir ungewollt sinken.

Nach einer Weile hat man sich den nötigen Abstand eingeprägt und erkennt alleine daran, ob der Hubschrauber sinkt oder steigt. Mehr dazu später wenn es um das Konzept des "Attitude Flying" geht.

Der MSFS kennt das Attitude Flying nicht. Das bedeutet, dass der Vergleich von Horizont mit Cockpitkontur nicht funktioniert. Vielmehr hält der Hubschrauber beim MSFS dann die Geschwindigkeit, wenn der Stick in der mechanischen Mittelstellung steht. So lange er vor diese Mitte gedrückt wird, beschleunigt die Maschine (und sinkt), so lange er hinter sie zurückgezogen wird, bremst sie (und steigt).

Mach mal eine Kurve

Schließlich wollen wir natürlich auch noch Kurven fliegen. Ihr erratet schon, dass wir das auch alleine mit dem Stick hinkriegen. Ein kleines bissen nach rechts oder nach links gedrückt, beginnt der Hubschrauber (mit der schon bekannten Zeitverzögerung), in diese Richtung zu drehen. Ist eine ausreichende Querlage erreicht, müssen wir den Stick wieder ein Stück zurückführen, um nicht noch mehr in die Kurve zu gehen. Zum Ausleiten der Kurve einfach so lange in die entgegensetzte Richtung drücken, bis wir (fast) wieder gerade fliegen und dann eine neutrale Position finden, in der der Hubschrauber sich stabilisiert.

Noch mal zur Erinnerung: Der Stick ist beim ganzen Flug immer dort, wo wir ihn brauchen, um die gewünschte Fluglage beizubehalten. In seiner mechanischen Zentralposition ist er nie!

Wenn wir beim Kurven ein bisschen an Höhe gewinnen oder verlieren, ist das jetzt erstmal nicht schlimm. Die Feinheiten kommen später. Aber ein bisschen sollte man schon darauf achten, dass die Nase des Hubschraubers nicht zu sehr nach oben oder unten geht. Die aufgestützte rechte Hand hilft uns dabei, den Stick nicht zu sehr beim Kurvenflug nach vorne oder hinten zu verziehen.

Auch hier gilt wieder: Üben, üben, üben...

Letzte Änderung am Mittwoch, 20 Februar 2013 11:46

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